Henningways

Frank Schätzing: Lautlos

Veröffentlicht 14. June 2006, 14:40 in , Kommentare geschlossen.

Lautlos

Es ist Sommer. Ich hatte Zeit, draußen im Liegestuhl ein Buch zu lesen und ich habe es genossen. Jedenfalls zu 90% genossen. Nee. Eher zu 70%. Denn 20% Lesespaß musste ich abziehen weil die Einführung Schätzing-Typisch zu lang ist. 100 Seiten bevor es losgeht. Weitere 10% muss ich entfernen, weil das Ende einfach Ätzend ist. Aber erstmal zu dem Buch selbst. Deutschland, knapp vor der Jahrtausendwende. Seltsame Dinge gehen vor. Eine Bande um die Topterroristin Jana plant ein Attentat auf Bill Clinton. High-Tech, viele kreative Ideen. Coole Umsetzung. Viel Spannung. Schätzing-Typisch. Thumbs Up!

Die Hauptfiguren werden sehr interessant modelliert, wirken wie auch im Schwarm sehr menschlich – mit ihren Macken, eine interessanten Geschichte und durchaus liebenswert. Doch was ja mal wieder gar nicht geht…

ist das Ende. Also wirklich. Sooo viel Verschwörungstheorie. Und dann so plump. So populistisch. Einfach am Ende den CIA als bösen darstellen. Böse Amis. Planen ein Attentat auf ihren eigenen Präsidenten um die Weltherrschaft zu bekommen oder so… also wirklich. Auch das ist leider Schätzing-Typisch. Populistisch gegen die Amis…

… sorry, das war das letzte Buch was ich von ihm gelesen habe.

Siehe auch:

Sofies Welt

Veröffentlicht 4. March 2006, 09:19 in , ein Kommentar, Kommentare geschlossen.

Sofies WeltVor ein paar Wochen habe ich mich zum zweiten Mal an ein Buch gewagt, was ich seit nunmehr schon fast 13 Jahren besitze. Von meinen Eltern ´93 beschenkt und zum Lesen aufgefordert befand ich es als einfach nur langweilig und dazu als noch viel viel langweiliger als alles was ich mir vorstellen konnte an Langeweile. Jetzt – 2006 habe ich noch einen Anlauf gewagt und finde das Buch sehr interessant. Doch worum geht es? Es geht eigentlich um alles. Es geht um das Leben, die Entstehung vom Leben, dem Selbstverständnis als Person. Das Buch wurde von Jostein Gaarder als Kinderbuch konzipiert und das ist eigentlich das einzige Problem, was ich als unwürdiger einfacher Leser kritisieren darf.

Der Autor beschreibt die Geschichte der kleinen Sofie, die von einem mysteriösen Lehrer Unterrichtsstunden in Philosophie bekommt. Während ich mich dabei die ganze Zeit als Kapitalist frage: Wieso gibt der Typ ihr Unterricht? Wieso hat er so viel Zeit? Muss er nicht Arbeiten? komme ich so langsam dahinter:

Er ist gar kein Mensch sondern nur die Figur in einem Buch. In einem Buch was wiederum eine Figur in einem Buch (in diesem Fall in dem Buch Sofies Welt) sich ausdenkt. Die Geschichte in der Geschichte wird von einer gottähnlichen Person (aus Sicht Sofies) geschrieben und die Geschichte dieser Person von Jostein Gaarder selbst. Schnell wirft sich hierbei (schnell ist relativ, weil mehr als 500 Seiten dazwischen liegen) die Frage auf, wo die Grenzen sind und ob nicht auch wir nur die Elemente einer Geschichte sind?

Frank Schätzing: Der Schwarm

Veröffentlicht 20. February 2006, 17:04 in , 4 Kommentare, Kommentare geschlossen.

Der Schwarm
Lange hat es gedauert, aber so langsam kann ich mich aufraffen, ein paar Zeilen zu “Der Schwarm“ zu schreiben. Den kompletten Artikel solltest Du nicht lesen wenn Du a) das Buch noch nicht komplett gelesen hast oder b) keine Lust hast ihn komplett zu lesen.

Um was geht es überhaupt? Erstmal um das Meer. Um Wasser. Um Wale. Damit will ich eigentlich auch nicht zu viel verraten haben, denn das kann man schon hinten auf dem Klappentext herausfinden. Das Gesamtkonzept des Thrillers / Romans / … finde ich gut gelungen, jedes Mal wenn es an einem Schauplatz (Kanada, Norwegen, …) richtig spannend wird, wird der Schauplatz gewechselt und man gerät geradezu in einen “Ich muss mehr lesen”-Taumel.

Frank Schätzing hat zahlreiche Charaktere erschaffen – manche wachsen dem Leser mehr ans Herz – so Anawak, der sympathische Eskimo oder auch Johanson, der Norweger (nein, kein Däne…).


Was mir an dem Buch gar nicht gefällt ist das viel zu actionreiche Ende. Irgendwie wird es auch zu phantastisch. Aber dazu später… Los geht es mit Angriffen von (Ferngesteuerten) Walen auf die Menschen. Killerkrebse auf New York. Eine Flutwelle die Europa plättet und ein Wesen in der Tiefe der Meere, das geplant hat, die Menschen zu vernichten, weil sie schlecht für den Planeten sind. Eigentlich ein interessanter Ansatz – immerhin keine Aliens sondern Einzeller mit kollektivem Gedächtnis die seit Anbeginn der Erde (nicht der Menschheit – viel viel Älter!) existieren. Eine Kollektivintelligenz mit anderen Werten und Normen. Wer in der Gesellschaft krank ist, soll sterben. Die Gesunden sollen überleben. Im Rahmen der langsamen Annäherung der Wissenschaftler an das Phänomen Kollektiv gibt es einige sehr interessante Passagen – einiges gar sehr philosophisch… hat mir jedenfalls viel Spaß gemacht, es zu lesen.

Wie oben angedeutet hat mir jedoch das Ende nicht gefallen, es ist einfach zu actionreich. Alle Lieblingscharaktere sterben. Johanson nimmt die ungeliebte “Li” mit in den Tod, Greywolf geht in den Tod um Anawak zu retten, Anawak stirbt und bei seiner Geliebten zu sein, … beliebig fortsetzbar.

Und dann noch die “Rettung” des Planeten: Wir erzeugen künstlich ein Pheromon, damit uns die Einzeller am Leben lassen. Ich weiß nicht, wie das Ende besser gestaltet werden kann (darum schreibe ich ja auch keine Bücher) – aber so hat es mir nicht gefallen.

Also:
Seiten 1-850: Super.
Seiten 850-986: Irgendwie muss es ja aufgelöst werden…

Und trotz des Endes insgesamt ein: Musst Du lesen (siehe auch 2 Zeilen weiter unten…)

Als Resümee kann ich nur ein: Musst Du lesen! vergeben. 850 Seiten Spannung.

Lachende Wissenschaft

Veröffentlicht 14. February 2006, 21:10 in , 3 Kommentare, Kommentare geschlossen.

Lachende Wissenschaft
Ein Buch in der Kategorie “Das liegt im Bad rum” möchte ich Euch heute vorstellen. Das Buch “Lachende Wissenschaft“ von Mark Benecke ist eines der Bücher die man hervorragend nebenbei lesen kann. Nicht so wie “Der Schwarm“ (das andere Buch was ich im Moment verschlinge, aber erst in ein paar Tagen verbloggen werde).

Mark Beneke jedenfalls bringt zahlreiche Einsendungen auf dem Spass-Nobelpreis in einen sehr unterhaltsamen Kontext. Ich bin zur Zeit bei der Hälfte des Buches angekommen und …

so langsam enttäuscht es ein wenig. Einige Aspekte sind faszinierend – da geht es um die Todesrisiken durch umfallende Colaautomaten, um das Verhältnis von Fußfetischismus zu Geschlechtskrankheiten im Historischen Kontext – doch sobald das Thema interessiert, ist der kurze Ausflug in das Fachgebiet schon wieder beendet. Wie bereits gesagt: Für den kurzen Lesespaß in der “Das liegt im Bad rum”-Kategorie ist das Buch super, doch zum lange drin schmökern leider nicht.

So etwas gibt es hier nicht! Ist doch kein Krimi!